29 + 26 + 27 = 462 Fahrradfahrende???
11 + X = 5 Baumfällungen ???
Wir haben die Radverkehrsströme getrennt nach Nutzung der Fahrbahn und Seitenraum erfasst. Dies erfolgte in den maßgeblichen Hauptverkehrszeiten von 6:00 Uhr bis 19:00 Uhr an drei allgemeinen Werktage außerhalb von Ferien- und Feiertagseinflüssen. Hierbei kamen wir in der Spitze auf eine Summe von 82 Fahrradfahrenden. Eine Begründungsgrundlage für die Umbaumaßnahmen Am Neumarkt stellt eine andere Zählung – von den Angaben nach – 462 Fahrradfahrenden dar. Auf diese Anzahl kamen wir nicht ansatzweise. Dadurch rechtfertigt man ganz maßgeblich den „Zuschlag“ für die Umbauversion 3 (was diese Version 3 darstellt, siehe bitte in anderen Beiträgen), bei der in Summe über 18 + X über 50 Jahre alte Bäume fallen mussten und über 90 Parkstände verlorengehen. Wäre es zur Entscheidung für Version 3 auch dann bekommen, wenn man 29 + 26 + 27 = 82 Fahrradfahrende gezählt hätte?
Den derzeitigen „Zuschlag“ für Version 3 begründete man nach unserem Kenntnisstand in der ursprünglichen Planungsbeschreibung überdies, dass dabei nur 5 Bäume gefällt werden müssten. Es handelt sich um Fachleute, die sich sicherlich vor der Nennung solcher Entscheidungsgrundlagen mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht haben. Klar, kann es immer mal zu Veränderungen bei Planungen kommen. Aber kann man sich bei sorgfältiger und verantwortungsbewusster Planung und in Kenntnis der Funktion von Bäumen als Sauerstoff-, Schatten-, Lebensqualitätspender als Absorbierer von Schadstoffen, Staub, Dreck und Lärm dann in Realität so eine drastische Differenz ergeben? Es wurden alleine für diese jüngste Maßnahme, die für uns Anwohnenden als „Baumpflege“ (siehe frühere Beiträge) deklariert wurde, im Februar 2023 mindestens 11 Bäume gefällt. Dazu müssen dann noch die addiert werden, die in 2020 für die „Abbiegespur“ zu einem Schokoladenwerk fallen mussten. Also: 7 + 11 + X = 5? Wäre man in Kenntnis der tatsächlichen Zahlen gewesen, hätte man sich dann zu Version 3 entschieden, bei der ohne Not überdies auch noch die meisten Parkstände ausradiert werden?
Zumindest für den ausradierten alten Baumbestand sollte ein Ersatzbepflanzung im Verhältnis 1:1,5 stattfinden. In 2020 fielen den Maßnahmen bereits 7 gesunde, prachtvolle Bäume zum Opfer. Nachgepflanzt wurde bis heute ein einziges Bäumchen, das so unscheinbar ist, dass niemand wirklich weiß, wo man dieses „Pflänzchen“ aufzufinden sein könnte. Wir haben uns auf die Suche gemacht und haben es tatsächlich neben der Bushaltestelle Kedenburgstraße stadtauswärts gefunden und sicherheitshalber gleich fotografiert. Wer weiß, ob es morgen noch da ist, oder gar einer erneuten „Baumpflege“ zum Opfer fallen könnte. Klar hört sich das vielleicht sarkastisch an und so ist es leider auch gemeint, denn so empfinden wir es, wenn wir von der Verwaltung zu hören bekommen, dass es sich um „subjektive Empfindungen“ handele, wenn Anwohnende ob des Wegfalls und der damit verbundenen unerträglich gewordenen Schallbelastung nicht mehr ihre Terrassen und Balkone benutzen können. Diese „subjektiven Empfindungen“ seien mit wissenschaftlichen Vergleichserhebungen nicht zu untermauern, sagt man uns. Wir, die wir vor Ort wohnen und leben, müssen uns tatsächlich von Fachleuten erklären lassen, dass der sprunghaft angestiegene Lärmpegel „subjektives Empfindung“ darstelle? Sieht so ein partnerschaftliches Miteinander zwischen Verwaltung und Bürgern aus oder geht das schon eher in Richtung Zynismus?

Foto: Bürgergruppe/-initiative Eichtal Quartier Hamburg
Von den Anwohnenden verweigert sich niemand nötigen Umbaumaßnahmen. Diese sind insbesondere wegen der schlechten Fahrbahn dringend geboten. Wir freuen uns, wenn dadurch selbstverständlich auch die Geh-und Radwege besser und sicherer werden. Das erwarten wir sogar von einer Verwaltung, die in 2023 für die Zukunft plant. Wir sind auch für eine zukunftsweisende Wende im Straßenverkehr. Im Gegensatz zu den dogmatisch wirkenden Postulaten einer angeblichen „Verkehrswende“, wollen wir eine Neuorientierung, die für alle gut und sicher und nicht gegeneinander gerichtet ist. Diese unnötige Konfrontation hat uns ebenso wie die angebliche „Baumpflege“, die bekanntlich tatsächlich Fällungen waren, überfallmäßig überrascht, erschrocken und traurig gemacht. Das gilt auch für die klare Aussage der Verwaltung, dass sich niemand bei uns einbilden dürfe, dass die öffentlichen Parkstände den Anwohnenden gehörten oder für diese gedacht seien. Nein, das sei öffentlicher Raum, über den die Verwaltung gemäß der derzeitigen Regierungsmehrheit frei verfügen und entscheiden könne. Was ist das für eine Ansage in einem sog. Bürgergespräch? Sieht so ein partnerschaftlicher Zusammenhalt aus? Sind wir Bürger die Gegner? Wer – als wir Bürger – zahlen diese Maßnahmen? Wer – als wir Bürger – entscheiden die Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksversammlung (nächste Wahl in 2024), der Europawahl (2024) und in der Bürgerschaft und Bundestag (nächste Wahlen voraussichtlich jeweils in 2025)? Wird eine sozialdemokratische Partei einen Koalitionspartner unterstützen, der tendenziell wirklichkeitsfremde Politik gegen Bürger macht? Werden die Stammwähler einer sozialdemokratische Partei ihre Partei dabei unterstützen?
https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/ard-deutschland-trend-gruene-stuerzen-ab-100.html
Parteien, die Klientelpolitik betreiben, haben ein Problem. Sie müssen ihrem Klientel während bzw. spätestens nach einer Legislaturperiode Ergebnisse aufweisen. Gerne brüstet man sich dann auch, wie toll man etwas geschafft haben will. Gerne präsentiert man sich dann auch mit km-Zählungen von „umgebauten“ Straßenzügen oder noch besser gleich mit für die anderen Verkehrsteilnehmer abgeriegelten Fahrradstraßen. Jeder von uns fährt gerne mit dem Rad auf beruhigten Fahrradstraßen. Wir sind uns aber bewusst, dass man das nicht mit jeder Straße und beispielsweise schon gar nicht mit unserer Nachbarstraße der Walddöferstraße machen kann. Das Gewerbe, der Einzelhandel, Arztpraxen werden gebraucht und müssen auch wirtschaftlich überleben. Wir leben nicht in einer alimentierten Umwelt. Jede Maßnahme – selbst der Straßenbau – muss auch gegenfinanziert werden. Man kann sich nicht für alles verschulden. Schulden sind ebenso wie der Klimawandel eine Bürde für die jungen Generationen und gesellschaftlicher Sprengstoff.
Wir fordern ein Miteinander. Wir stellten die Frage, warum nicht die Variante 1 (siehe frühere Beiträge) den Vorzug erhält, bei der gar keine Bäume hätten geopfert werden müssen und deutlich weniger Parkraum (minus 19 statt über 90) verlorengeht? Wir bekamen quasi zur Antwort, weil sie es ob der Mehrheit so können. Die nachgeschobene. etwas sachlichere Antwort war, weil sich dann die LKWs zu nah begegnen könnten. Dann wurde von „empfohlenen“ Mindestabständen für die Sicherheit der Radfahrenden gesprochenen. Die geschah wohlweißlich in Kenntnis, dass bei den Mindestabständen Spielraum vorhanden ist und dass man bei Version 3 quasi das Maximum ansetzt. In Konsequenz drängt sich der Eindruck auf, dass dies nur erfolgt, um möglichst viele Parkstände zu verlieren. Aus welchem anderen, nachvollziehbaren Grund sonst? Auf unsere Frage, ob man den Anwohnenden mit Autos ausrichten solle, dass sie unnötigerweise die großen Verlierer der Umbaumaßnahmen sein werden? „Ja, das haben sie richtig verstanden, das können sie ihren Leuten genau so sagen.“
Wir hatten dann nochmals daran erinnert, dass es Menschen gibt, die nicht auf die Öffentlichen umsteigen können. Auch diese Menschen müssen wir partnerschaftlich mitnehmen. Ältere oder beispielsweise Personen mit Handicaps, die zur Praxis fahren müssen, sind teils auf PKWs angewiesen. Nicht alle können sich dafür immer ein Taxi leisten und können schon gar nicht auf das Fahrrad umsteigen.
Die derzeitige, eigenartig wirkende Entscheidung für Version 3 und die dafür bemühten Begründungen sind aus unserer Sicht nicht plausibel und deshalb nicht nachvollziehbar. Auf uns wirken diese Maßnahmen deshalb als unnötige Provokation. Man könnte das Gefühl bekommen, dass man es den Autobesitzern zeigen will. Wenn man sich in die Welt der möglichen „Dogmatiker“ oder „Überzeugungstäter“ begibt, dann fallen einem solche Sätze in die Augen: „…Entsprechend wäre Protected-Bike-Lane wünschenswert gewesen, die Falschparken verhindert. Leider verwechselt die Planung diese beiden Führungsformen, sodass eine PBL vermutlich nicht ordentlich erwägt wurde. Auf Grund der vielen Einmündungen bzw. Einfahrten, und wegen des Wunsches KFZ-Parkplätze zu erhalten wäre diese vermutlich Stückwerk geworden. Die Fußwege werden breiter als bisher, wobei einige Engstellen verbleiben. Diese bleiben teils zum besseren Baumerhalt, teils weil KFZ-Parkplätze als wichtiger erachtet werden.“ (Quelle: veloroute.hamburg – Planung Am Neumarkt) oder leider auch so was: https://www.mopo.de/hamburg/meinung/radfahrer-muessen-regeln-brechen-das-eigentor-der-radler-lobby/) oder sogar so: https://efahrer.chip.de/news/ihr-bastarde-mann-findet-fiesen-zettel-an-seinem-volvo_1011651
Dann wird einem „normalem“ Bürger vielleicht auch klarer, warum hier möglicherweise Gräben in die Gesellschaft gezogen werden sollen. Wir sind auch begeisterte Radfahrer. Aber wir würden uns nicht tendenziell konfrontativer Formulierungen bedienen. Warum dieser Stil? Was soll das? Warum ein Gegeneinander heraufbeschwören? Es geht nicht um wichtiger oder unwichtiger, es geht nicht um ein „Entweder-Oder“, sondern um ein partnerschaftliches, gesundes „Sowohl-Als-Auch“. Wir bekommen die Zukunft nur gemeinsam gestaltet.
Wenn es tatsächlich um mehr Sicherheit für unsere Schulkinder auf dem Rad hin zur Schule geht, dann müssen wir diesen besonders Schutzbedürftigen auch erklären, wie sie ohne Ampel den morgendlichen LKW-Werksstau an der gefährlichen Kreuzung Kedenburgstraße meistern sollen und wie sie am Ende der Ausbaustelle, nämlich dort, wo der Schulweg laut der Zählungen besonders stark wird, am Nadelöhr der Kreuzung Am Neumarkt zur Efftingestraße weiterkommen sollen? Denn dort gibt es wegen der Bebauung nicht mal eine Chance auf einen kleinen Radstreifen. Sie müssen zwangsläufig zu den LKWs auf die Fahrbahn. Das ist hochgefährlich. Wie ist es hier um die Verantwortlichkeit bestellt? Wie kann man Kindern mit populären Beteiligungsaufrufen Hoffnung auf Besserung machen, wenn das wegen der Bebauung derzeit absolut unmöglich ist? Ist das ein gutes Bespiel für Mitwirken an demokratischen Entscheidungsprozessen? Wir sind bitter enttäuscht und ob der unerbittlich wirkenden Dogmatik haben wir tatsächlich schon die eine oder andere Träne aus Verzweiflung und vielleicht auch aus Enttäuschung über unserer Kreuzchen bei einer früheren Wahl verdrückt.

Bus muss in den Gegenverkehr ausweichen – Kreuzung Am Neumarkt / Kedenburgstraße – Situation in Ruhezeit
Es geht um ein Plus für die Sicherheit des Radverkehrs. Dafür müssen die Bäume fallen und Parkstände weg. Ist dies tatsächlich ein nachvollziehbares Plus? Wo kommt die hohe Anzahl der gezählten Radfahrenden her? Was sagen die Mitglieder der Bezirksverwaltung, wenn man ihnen zeigt, dass mehr als doppelt so viele Bäume gefällt wurden, als nach unserem Kenntnisstand die Planung es beschrieb? Hätte man sich zu diesen ebenso drastischen wie unnötigen Einschnitten der Version 3 entschieden, wenn jeder Ortskenntnis gehabt und gewusst hätte, dass die vermeintliche Sicherheit unserer Schulkinder am Nadelöhr der Efftingestraße brutal endet? Die Argumente wirken absurd.

Foto: Bürgergruppe/-initiative Eichtal Quartier Hamburg

Foto: Bürgergruppe/-initiative Eichtal Quartier Hamburg
https://www.hamburg.de/wandsbek/bezirkliche-radverkehrsmassnahmen/15956404/am-neumarkt/
